Mascha hat geschrieben: Mi 10. Mai 2017, 15:45
Ich habe das in Gesprächen mit Max schon mehrfach festgestellt: die Unterschiede sind nicht groß... es geht um Sexualität, es geht um Menschen, menschliche Gefühle und Bedürfnisse... ich finde das schön zu bemerken, dass es viel Verbindendes gibt.
Da hast du recht und ich finde extrem wichtig, das noch einmal von außen so zu hören. In der Zeit nach dem Coming In hatte ich immer diesen Gedankengang, dass man, wenn man auf Erwachsene steht, eine unglaubliche Freiheit genießt und alles machen kann was man will. Und ich stehe auf Kinder und kann nichts dagegen tun und bin für alle Zeit meiner Freiheit beraubt. Ein Gedanke, der einen wahnsinnig machen kann.
Gott sei Dank habe ich irgendwann erkannt, dass das ein Trugschluss war. Auf Erwachsene zu stehen heißt keinesfalls, dass man frei ist, es heißt noch nicht einmal das alles einfacher ist. Ich merke das auch immer wieder in Gesprächen mit einem meiner besten Freunde. Seine Sexualität ist frei von jeglichen "Eigenarten", er steht zu 100% auf gleichaltrige Frauen. Er weiß von meiner Pädophilie und wir reden sehr häufig über unsere Probleme. Wenn wir von unseren Gefühlen reden, dann macht es gar nichts, wenn er dabei an eine erwachsene Frau denkt und ich an einen kleinen Jungen. Wir reden über dieselbe Sache, über dieselben Gefühle.
Gelernt habe ich aber durch ihn, dass er Probleme hat, die ich gar nicht habe. Wenn er mir erzählt, dass er jemanden kennengelernt hat und sie ansprechen möchte, aber panische Angst davor hat, dass sie nicht so empfindet wie er, dann stelle ich fest, dass es ihm damit schlechter geht als mir. Wenn ich einen Jungen kennenlerne, weiß ich von Anfang an, dass er meine Gefühle nicht erwidert. Es gibt zu keiner Zeit auch nur den Hauch eines Zweifels daran. Ich muss mir also keine Hoffnungen machen und lebe in der Gegenwart. Ich genieße jeden Augenblick der Zeit mit ihm, der mir geschenkt wird, wohl wissend dass all das für ihn nicht die Bedeutung hat, die es für mich hat, dass es für uns keine Zukunft geben wird und dass ich ihn bildlich gesprochen nicht "festhalten" kann. Wenn er nicht von sich aus Zeit mit mir verbringen möchte, dann verbringen wir halt keine Zeit miteinander. Und wenn er nur kurz mit mir redet und dann mit seinen Freunden spielt, dann ist das so und muss so hingenommen werden. Ich muss mich nicht mit dieser stetigen Hoffnung und Angst herumschlagen, von der mein Freund redet, wenn er über die Frau redet, in die er sich verliebt hat. Ich weiß von Anfang an, dass ich keine Initiative ergreifen kann und einfach nur genießen darf, was mir geschenkt wird. Und das ist noch nicht einmal so schlimm. Denn ich weiß es ja vorher und kann einen Moment in vollen Zügen genießen, den mein Freund vielleicht verpasst, weil er ihn mit dem Gedanken daran verbringt, wie er mehr erreichen kann.
Dafür habe ich mit anderen Dingen zu kämpfen, die für ihn kein Problem sind. Er kann eine Beziehung haben, die Erfahrung machen auf die gleiche Weise geliebt zu werden, wie man selbst liebt. Er kann problemlos mit seinen Freunden umgehen, weil er eine Verbindung zu ihnen hat, die ich nie haben kann. Er schöpft sein Glück aus der Zeit mit Erwachsenen, die ihn täglich umgeben, während es für mich Zwang, teils sogar Qual bedeutet, meine Freizeit nur mit dem Kontakt zu Erwachsenen zu gestalten. Um mal ein paar Beispiele zu nennen.
Kurz gesagt: Alles hat seinen Preis. Pädophil zu sein heißt, mit vielen Schwierigkeiten klarkommen zu müssen. Aber auch als auf Erwachsene gerichtete heterosexuelle Person muss man mit Schwierigkeiten klarkommen, auch wenn sie anders aussehen können (aber nicht müssen, wenn man dein Beispiel mit der Affäre noch einmal aufgreift).