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Lukulus

10nach8

Beitrag von Lukulus » Mo 3. Jun 2019, 23:39

https://www.zeit.de/kultur/2019-05/demo ... jouissance

Will jemand diesen Text lesen und etwas dazu sagen?

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Zidane
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Beitrag von Zidane » Di 4. Jun 2019, 02:13

Es mag sich im ersten Moment logisch anhören. Fakten sind keine Fakten mehr! Wer aber bestimmt es? Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen. Aber es sind keine Fakten mehr! Es gibt statistische Erhebungen. Aber es sind keine Fakten mehr!

Es erkranken und sterben viel mehr Menschen ohne Impfung an Masern, als es Menschen tun, die geimpft werden. Aber trotzdem sollen solche Fakten nicht zählen, nur weil wir uns "dem Genießen" widmen wollen? Oh nein.

Momentan frage ich mich, woher diese These kommen könnte. Unsere Gesellschaft hatte keinen wirklichen Konsens, sonst hätten wir es nicht nötig ständig unsere Gesellschaft weiter zu entwickeln. Aber es bestand ein Konsens, dass bei Meinungsverschiedenheiten es aber nicht dazu kommen sollte, dass Fakten verdreht oder falsch dargestellt werden. Wurde darauf aufmerksam gemacht, wurde es akzeptiert.

Nun aber haben wir mit dem Rechtspopulismus eine neue Diskussionskultur erhalten. Stichwort "alternative Fakten". Es darf also verdreht und gelogen werden, worauf sich trotzdem eine "Meinung" dann aufbaut. Es ist immer hoffähiger geworden Meinung mit Beleidigungen, Herabwürdigungen und Verleugnungen zu verwechseln.

Genießen wir unseren Standpunkt? Nein, das glaube ich nicht. Ich habe meine Meinungen schon öfters geändert, wenn es gute Gründe dafür gibt. Warum sollte ich aber eine Meinung an Dingen anpassen, die für mich nicht logisch, nicht passend oder nicht wahrheitskonform sind? Nur um andere genüge zu tun? Nein, und trotzdem genieße ich meinen Standpunkt nicht!
"Wir machen Gesetze zum Schutz der Kinder, und fragen nicht, wie es den Kindern damit geht." - aus einem Radiointerview
"Ein Kind muss spüren, dass es so wie es ist, richtig ist. Dass es um seiner selbst Willen und bedingungslos geliebt wird.
Das ist die wichtigste Erfahrung, die jedes Kind braucht" - Gerald Hüther (1951-)

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Frank Denker
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Beitrag von Frank Denker » Di 4. Jun 2019, 09:31

Nun ja, ich würde es nicht als "genießen" bezeichnen, wenn man nicht bereit ist, andere, dem eigenen Weltbild entgegenstehende Dinge zumindest als möglich(!) zu betrachten.
Ich sehe es als eine Art Faulheit im Denken, eine Art Bequemlichkeit, um nicht aus seiner "schön zurechtgestrickten" Welt 'raus zu müssen. Es könnte ja sein, dass etwas tatsächlich völlig anders ist als gedacht!
Hinzu kommt die im Text angesprochene Zuweisung von Schuld. Wenn man selbstkritisch die Ursachen für einen bestimmten Sachverhalt bei sich selbst sucht, wird das in unserer Gesellschaft schnell als "Versagen" angesehen. "Wer bremst, verliert!" Das ist eine wichtige Lebensmaxime von ehrgeizigen Menschen. Also darf man niemals eigene Schwäche zeigen (Fehler bei sich selbst suchen oder gar finden...), also müssen immer andere Schuld sein. Und wenn diese das einfach nicht verstehen wollen, dann fühlt man sich umso mehr in seiner Meinung bestärkt, dass "die anderen" "keine Ahnung" haben. Somit ist es nur logisch, von "diesen Anderen" keine dem eigenen Weltbild entgegenstehenden Dinge als möglich zuzulassen!


Wenn eine Diskussion dann auch noch ohne realem Kontakt stattfindet wie auf anonymen Plattformen im Internet, dann ist es meistens noch einfacher für jeden, stabil auf seinem Weltbild zu beharren und über andere herzuziehen...
Man hat ja keine persönlichen Konsequenzen zu befürchten - denkt man.
Aber was es mit der eigenen Psyche anstellt, wird allzu oft unterschätzt! Die ohnehin schon kaum(!) vorhandene Bereitschaft, das eigene Weltbild zu überdenken, wird noch weiter reduziert, bis man wirklich nicht mehr in der Lage(!) ist, aus seinen Denkmustern herauszukommen...
("Gehirnwäsche" geht auch in "Eigenregie"!)

Gruß
Frank Denker
Disclaimer:
Was ich hier im Forum schreibe, verstehe ich maximal als Denkanstoß und Angebot zur Selbsthilfe! Vielleicht passt es für Dich und hilft Dir? Vielleicht aber auch nicht?
Ich möchte Dir jedoch keinesfalls "zu nahe" treten. Falls Du es aber so empfindest, dann schreibe es mir! Vielleicht habe ich nicht alle Informationen, um Deine Situation zu verstehen?

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Caspar Ibichei
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Beitrag von Caspar Ibichei » Di 4. Jun 2019, 18:44

Frank Denker hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 09:31
...
Aber was es mit der eigenen Psyche anstellt, wird allzu oft unterschätzt! Die ohnehin schon kaum(!) vorhandene Bereitschaft, das eigene Weltbild zu überdenken, wird noch weiter reduziert, bis man wirklich nicht mehr in der Lage(!) ist, aus seinen Denkmustern herauszukommen...
("Gehirnwäsche" geht auch in "Eigenregie"!) ...
Danke, du hast formuliert, was mir noch auf der Zunge herumschwabbelte.
Der kritische Leser wird auch diesen Zeit-Artikel kritisch lesen.

Doch kritisches Lesen, sich Gedanken machen, kostet Mühe.
Das einfache Hineinsinken in medial aufbereitete (vorgekaute) Fakten und Alternativ-Fakten ist wesentlich bequemer.
Georg, >60 ● Präferenz: wbl 8-12, mnl 6-10 caspar-ibichei@gmx.de
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Zidane
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Beitrag von Zidane » Mi 5. Jun 2019, 03:33

Caspar Ibichei hat geschrieben:
Di 4. Jun 2019, 18:44
Das einfache Hineinsinken in medial aufbereitete (vorgekaute) Fakten
Wird sehr negativ von Dir dargestellt! Was soll das aussagen? Das ich Fakten nur nutzen darf, wenn ich sie selber bewiesen habe? Sollte ich also, bevor ich antworte, selber wissenschaftlich tätig werden? Ansonsten darf ich mich nicht äußern?

Und wenn ich andere Arbeiten nutze, um meine Thesen zu verstärken, oder auch zu verdeutlichen, warum denn nicht? Muss man es dann als "vorgekaut" diffamieren? Ist das nicht auch eine Art von, "was meinen Weltbild nicht entspricht, wird schlecht gemacht"-Äußerung?

Aber erstaunlicherweise wird der Begriff Alternativ-Fakten nicht so negativ von Dir dargestellt!
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Caspar Ibichei
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Beitrag von Caspar Ibichei » Mi 5. Jun 2019, 09:37

Kann ich als einfacher Nachrichtenkonsument Fakten von Alternativfakten unterscheiden?
Wenn die Medien Pädophilie mit Kindesmissbrauch definieren, sind das Fakten die ich unhinterfragt übernehmen soll?

Ich empfehle lediglich mir über alle (Alternativ)Fakten Gedanken zu machen.
Und egal wie diese Gedanken ausgehen, selbstverständlich darf ich mich dazu äußern.
Nur durch den Austausch kann ich an meinem Gedanken/Meinungskonstrukt arbeiten.
Wir halten für wahr, was unserer Überzeugung entspricht. Dieses Dilemma ist unlösbar. Außer wir verstehen endlich, dass wir aus purem Genuss auf unserer Meinung beharren.
Ich finde mich in diesem Artikel nicht wirklich wieder und kann dem "Fakt", dass wir aus Genuss auf Meinungen beharren, nicht zustimmen.
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Beitrag von Zidane » Do 6. Jun 2019, 06:02

Caspar Ibichei hat geschrieben:
Mi 5. Jun 2019, 09:37
Kann ich als einfacher Nachrichtenkonsument Fakten von Alternativfakten unterscheiden?
Ja, das ist durchaus möglich. Es bedarf zwar etwas an Arbeit, aber eine Recherche offenbart oft schnell den Unterschied. Die Frage ist aber, ob ich es will? Daher bleiben viele Menschen, trotz Aufdecken von Fehlern bei Alternativfakten, bei ihrer daraus resultierenden Meinung und beharren auf diese Fakten!
Caspar Ibichei hat geschrieben:
Mi 5. Jun 2019, 09:37
... sind das Fakten die ich ungefragt übernehmen soll?
Nein, gerade darum geht es ja, dass Du sie auch hinterfragen kannst. Und gerade dieser Aufwand ist es mir wert!
Caspar Ibichei hat geschrieben:
Mi 5. Jun 2019, 09:37
Nur durch den Austausch kann ich an meinem Gedanken/Meinungskonstrukt arbeiten.
Und auch das meine ich damit, dass ich bei guten Gründen auch schon oft meine Meinung geändert habe. Daher stimme ich Dir auch bei folgender Aussage zu:
Caspar Ibichei hat geschrieben:
Mi 5. Jun 2019, 09:37
... und kann dem "Fakt", dass wir aus Genuss auf Meinungen beharren, nicht zustimmen.
Wo es viele Menschen gibt, kann es auch zu Fehlern kommen. So sehe ich es auch bei Fakten. Nur sehe ich auch da den Unterschied, ob sie mal schnell aus Unwissenheit, oder wie oft beim Populismus (ob rechts oder links) sie mit Absicht und verschleiernd geschehen. Daher habe ich mir auch angewöhnt, gerade aus deren Ecken deren Argumentationen zu hinterfragen, als sie nur einfach zuzulassen.

Es gibt oft Bereiche, die ich zwar kritisch begleiten sollte, aber auch gezwungen bin, ein gewisses Vertrauen voraus zusetzen. Thema Holocaust zum Beispiel. Da ich es glücklicherweise nie erlebt habe, bin ich auf Erfahrungsberichte angewiesen. Nun aber gibt es Menschen, die mit Alternativfakten diesen leugnen. Laut dem Bericht, sollte ich es aus vielfältigen Gründen zulassen. Ich kann zwar gerne darüber nachdenken (ich mache es mehr mit dem Hintergrund, warum man bei allen Beweisen dies trotzdem verbreitet), aber es zulassen? Würde das nicht Hohn gegenüber den Opfern bedeuten?
"Wir machen Gesetze zum Schutz der Kinder, und fragen nicht, wie es den Kindern damit geht." - aus einem Radiointerview
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